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Sommernachtstraum

3. Kapitel - Urlaubsantritt

mit Bildern von ©sylviasart, die für diese Serie speziell angefertigt wurden.

Leise fängt das Radio an, zu spielen. Sanft weckt die Musik mit "It`s now or never" von Elvis. Rolf hat sich diesen Radiowecker gekauft, weil ihm das Klingeln des alten Gerätes ständig unsanft seinen Träumen entriss. Die große Taste zum Abstellen braucht er nun nicht mehr. Sein Schlaf gleitet bei dieser Methode langsam hinüber in den Wachmodus. über die Woche, wenn die Arbeit ruft, muss er nur aufpassen, dass er nicht wieder einschläft. Doch an seinen freien Tagen genießt er es, noch ein Weilchen nebenher zu dösen. Doch auch heute kann er nicht zu lange liegen bleiben. Schließlich geht es in seinen Urlaub. Dabei wäre ihm das Liegenbleiben viel lieber. Erst spät zu Bett, fand er ewig keine Ruhe. Geräusche, welche durch das offene Fenster ins Zimmer drangen, verstärkten sich durch die Stille der Nacht noch mehr und die Gedanken an das Zurückliegende schwirrten gerade heute Nacht intensiver in seinem Kopf herum. Ist es doch seit Jahren die erste große Reise ohne Katja.

Langsam lässt er seine Bettdecke zu den Füßen rutschen und dreht beide Beinen nach rechts in Richtung Pantoffel. Dabei quietscht das Gestell seines Nachtlagers ihm ein "Guten Morgen!" entgegen.

Es ist Sieben und die Nachrichten vernimmt er nur brockenweise, während Wasserrauschen und Gurgeln den Sprecher der News übertönen. "...auf der A8 kommt ihnen ein Falschfahrer entgegen. Bleiben sie rechts und überholen sie nicht...". "Was sind das nur immer für Idioten, die nicht mal die einfachsten Sachen begreifen" denkt sich Rolf, während er sich im Spiegel betrachtet. "Im Münchner Raum ist mit einzelnen Quellwolken zu rechnen; ansonsten wird es sonnig und bis zu 24 Grad war" vermeldet der Wetterbericht weiter. Dabei streift sich Rolf sein weißes T-Shirt über. Eigentlich sollte er es nicht anziehen, denn es ist ein Bild von ihm und Katja darauf und wurde zum Volksfest im letzen Jahr an einem der Stände bedruckt. "Ja ja, muss sie eben mit mir Auto fahren, wenn sie Kreta versaut hat" scherzt er in sich hinein indem er seinen Kopf neigte und zu seinem Oberkörper sprach. Nur gut, dass die nette Dame im Reisebüro die Stornierung angenommen hat. Nur Großmutter war sauer auf ihn. "Früher haben die Männer noch um ihre Liebsten gekämpft. Aber heute seit ihr nur noch Waschlappen und lasst sie einfach gehen" knallte sie ihm noch in der damaligen Nacht ins Gesicht. Doch heute wei auch Rolf, dass es ein Fehler war und gerade jetzt wird es ihm um so bewußter.

"Es ist siebenuhrneununddreißig" informiert der Sprecher im Radio. Der Wasserkocher sprudelt und kippt gerade den Schalter wieder selbsttätig in die Nullstellung zurück. Rolf hängt sich einen Pfefferminzbeutel ins Teeglas und schüttet das heiße Wasser drüber. In der anderen Hand hält er seine Käsesemmel und beißt nebenbei ab. Der Arbeitsablauf muss in komprimierter Form erfolgen, denn spätestens halb neun möchte er das Haus verlassen. Doch gerade jetzt klingelt es an der Tür. "Nanu," denkt Rolf, "wer macht sich so früh unbeliebt?" kauend geht er zur Wechselsprechanlage und murmelt in den Hörer: "Ja, was ist?" "Entschuldigung, war ein Versehen!" antwortete eine junge Frauenstimme. Es war die Kleine aus dem dritten Stock, die um diese Zeit von ihrem Freund nach Hause gebracht wurde und beim Abschiedskuss ihren Rücken gegen das Klingelbrett drückte.

Nun war auch Rolf endlich Abreisebereit und schleppte als erstes den riesigen Koffer zum PKW. Seine Sachen hatte er bereits gestern Abend gepackt und hofft, nichts vergessen zu haben. Dabei hat er sich ein System einfallen lassen, um an alles zu denken. Schritt für Schritt öffnete er eine Tür oder Kasten nach, dem anderen und legte die darin befindlichen Stücke auf das Bett, die er mitnehmen wollte, um so nichts zu übersehen. Danach wurden sie auf die einzelnen Gepäckstücke verteilt. Da er mit dem eigenen Auto fährt und nur für sich benötigt, kommt es nicht ganz so sehr darauf an. Wieviel es ist. Zudem benötigt er Kleidung für verschiedene Ansprüche. Sein Reiseziel hat er nur grob festgelegt und hofft auf freie Gästezimmer. Nur für den letzten Ort hat er eine feste Buchung von 5 Tagen vorgenommen.

Der alte FORD reflektiert in der Morgensonne, hat er ihn doch gestern noch einmal durch die Waschstraße gefahren und anschließend auf Hochglanz poliert. Ein Hausnachbar, der zu diesem Augenblick vorbei kam, witzelte noch: "Rolf, drück nicht so sehr auf den Lappen, sonst funkelt hinterher der Auspuff statt die Frontscheibe.". "Deswegen klebst du ja auch nach jedem Ausflug bunte Bildchen auf deine Rostflecken" entgegnete er ihm daraufhin sarkastisch. Soll mal lieber seinen zehn Jahre alten Schrotthaufen besser pflegen, als andere voll zu motzen.

Pünktlich, wie geplant, dreht er seinen Zündschlüssel im Schloss herum. Die Parkplatznot zwingt die umliegenden Bewohner, jedes freie Stück Stellfläche zu nutzen. Deshalb hat Rolf beim Wegfahren einige Probleme, keine Kratzer zu verursachen. An diesem Samstagmorgen ist noch keiner weiter unterwegs. Und so ist er auch an der seinem Haus gegenüberliegenden Tankstelle der einzige Kunde. Nur gut, dass er eine Billigphase des Benzinpreises der vergangenen Woche ausgenutzt hat. An Wochenenden - wie auch diesem - treiben die Mineralölkonzerne den Spritpreis gern in die Höhe. Und so füllt Rolf nur den Tank noch voll, um nicht unterwegs die noch teueren Autobahn-Zapfsäulen anfahren zu müssen.
Seine Zeitplanung scheint sich für den Verkehr positiv auszuwirken. Er ist davon ausgegangen, dass die meisten Familien früher abreisen. Der staubelastete Abschnitt um München konnte so auch gut überstanden werden, weil die Mittagszeit viele für eine Rast nutzten. Rolf war das egal. Eine kurze Erholungspause zuvor half ihm, diesen gefürchteten Bereich stressfrei zu überstehen. Bei leicht gedrosselter Geschwindigkeit greift er ab und zu in die Kühlbox auf der Beifahrerseite - auch ein Vorteil, wenn man allein fährt - und nimmt sich einen Apfel und eine Wurstsemmel.
Abzweig Holzkirchen; für Rolf bedeutet dies, die Autobahn zu verlassen. Im Radio spielt man gerade "Summer in the city" als eine Verkehrsmeldung die Musik unterbricht. "A99 zwischen Ottobrunn und Kreuz Süd zwei Kilometer Stau nach einem Unfall. "Man hab` ich ein Schwein," denkt sich Rolf " eine Viertelstunde eher und ich wäre mitten drin gewesen."
Es ist blauer Himmel und nur einige kleine Wölkchen begleiten entlang seiner Fahrt. Nur gut, dass er sich für die kurzen Shorts entschieden hatte. Obwohl es bei seiner Abfahrt am Morgen noch sehr frisch war, lief ihm jetzt der Schweiß in den Kniekehlen zusammen.

Ein Wegweiser verlangt nun Rolfs Aufmerksamkeit. Rechts geht es über Bad Wiessee um den Tegernsee und geradeaus über den gleichnamigen Ort Tegernsee und Rottach-Egern. Da er gern einmal erfahren will, was an diesen Orten so interessant ist, das es Politiker und Künstler her zieht, wählte er diese Strecke. Zudem wäre es eine Gelegenheit, Pause und Besichtigung miteinander zu verknüpfen. Der Ort macht einen gepflegten Eindruck; der Verkehr quälte sich schleppend durch die geschwungene Hauptstraße und es scheint, als wäre die Parkplatzsuche aussichtslos. Am Rathaus stößt ein schwarzer Mercedes zurück und bietet Rolf den Platz zum Abstellen. Unterwegs kauft er sich ein Eis und schlenderte gemütlich in Richtung See. Die Parkbänke sind gut besucht. Nur neben einem zirka 20-jährigen Mädchen war die Bank leer. Offenbar doch für das ansonsten älter Publikum ein Grund, sich hier nicht nieder zu lassen. Sie lächelte Rolf an als er sich setzt. Nur so aus Scherz, hält er ihr die Eistüte entgegen. Womit er allerdings nicht gerechnet hatte - sie nimmt das Angebot an und stiehlt mit ihrer Zungenspitze ein Stückchen der Schokoladenkugel. Spontan steht sie auf und sagt nur "Sorry, mein Freund kommt gerade. " Rolf wollte noch nach ihrem Namen fragen, doch da geht sie bereits mit einem Zopfträger verschlungen den kleinen Plattenweg in Richtung Straße davon. Auf eine spitze Geste hatte er die passende Antwort bekommen und lächelt noch im Nachhinein, als er darüber nachdenkt.
Schade, dass ich sie nie wieder sehen werde, sinniert er leicht enttäuscht.

Nun wird es aber auch für ihn Zeit, seine Fahrt fortzusetzen. In leicht geschwungenen Kurven geht es hinauf zum Achenpass, der ihm den Weg nach Tirol frei gibt. Die Ruhe der nicht all zu dicht befahrenen Straße wirkt sich auch auf seinen Fahrstil aus und vermittelt in ihm bereits die Vorfreude auf die bevorstehenden Tage. Rechts eröffnet sich etwas später der Blick auf den Achensee. Ein kleiner Parkplatz direkt oberhalb des Ostufers läd zum Verweilen ein. Der Blick eröffnet sich auf den lang gestreckten See und das Karwendelgebirge. Gegenüber liegt wie auf einem extra dafür geschaffenen Plateau jener kleine Ort, welchen er sich als erste übernachtung ausgewählt hat.

An einem der Häuser hängt, wie es in Urlaubsregionen üblich ist, die grüne Flagge mit der Aufschrift: "Zimmer frei". Nach dem Klingelzeichen meldet sich mit deutlichem Gebell der Beschützer des Anwesens.
"Aus, geh" ermahnt ihn eine weibliche Stimme und die Tür wird von einer älteren Frau geöffnet.
"Guten Tag, hätten sie für zwei übernachtungen noch ein Einzelzimmer?" fragt Rolf.
"Fünfundzwanzig Euro mit Frühstück". Dabei dreht sie sich um und läuft voraus, was für Rolf bedeutet, dass der Vertrag geschlossen ist und er folgen solle.
Rolf geht der Frau in die erste Etage hinterher, wo ihm das Zimmer gezeigt wird. "Dusche und Toilette sind dort gegenüber, Waschbecken haben sie hier auf dem Zimmer."
Rolf bedankt sich und schließt hinter sich die Tür.
Er dreht sich im Zimmer kurz um und lässt sich dann im freien Fall und mit ausgebreiteten Armen auf das Bett plumpsen. "Endlich Ferien!" haucht er durch den halb geöffneten Mund.

Der Rest des Tages verläuft eher entspannt. Er sieht sich ein wenig im Ort um und genießt das Abendbrot in einem der Hotels.

* * * * *

Als Rolf an diesem Morgen aufwachte, blinzelte ihm die Sonne mitten ins Gesicht. Das Fenster des kleinen Zimmers zeigte nach Osten und bot ihm Ausblick zum angrenzenden Wald. Er hatte das erste Mal seit einigen Tagen richtig fest geschlafen. Unter der Dusche holte er sich nun noch die Frische für den Tag, bevor er eine Treppe tiefer zum Frühstück lief.
Die Hausdame werkelt bereits in der Küche herum und sagt ihm mit leichtem Blick über die Schulter "Setz di do hie." Rolf befolgt ihre Anweisungen und bekommt sodann Geschirr und Besteck vorgesetzt. Es ist ein sehr rustikales Menü mit Schinken, einheimischen Käse und Spiegelei. Gerade als Rolf die zweite Tasse Kaffe einschränken wollte, hört er Schritte auf die Küche zukommen und eine junge Frau steht in der Tür.
"Guten Morgen".
Doch Rolf verschluckt seinen Gegengruß, ist es doch jene, welche am Tag zuvor an seinem Eis geleckt hatte.

"Meine Nichte, kommt aus München fürs Wochenende". "So sieht man sich wieder, vielen Dank für die Zungenkühlung" lächelte sie Rolf an, als sie seine verdutzten Augen sah.
"Ihr kennt euch?" wollte die Wirtin wissen. "Ja," sagte Rolf "wir haben am Tegernsee auf der gleichen Parkbank gesessen".
"...und uns eine Tüte Eis geteilt" warf Sophie, so heißt die junge Frau, ein.
"Passen sie nur gut auf, Fienchen kommt nach ihrer Mutter. Meine Schwester hat auch allen Männern den Kopf verdreht und tut es noch jetzt".
"Aber Tante, sie lebt eben ihr Leben und nutzt die Chancen. Ich habe doch Freddy, der reicht mir vorerst."
"Ach ja, ihr Freund. Wo haben sie den gelassen?"
"Freddy musste zurück nach München, weil er eine wichtige Klausur vorzubereiten hat."
"Dann langweilen sie sich doch, oder? Wie wäre es, wenn sie mir ein wenig die Wanderwege hier zeigen. Sie kennen sich ja bestimmt gut aus und zu zweit macht es auch mehr Spaß".
Nach kurzem überlegen stimmte Sophie dann doch zu. "Eigentlich wollte ich heute Vormittag zu einer Freundin, aber ich rufe sie an, dass ich abends komme."

©Silviasart - Citytreff

Als Rolf die Haustür öffnete stand Sophie bereits mit zwei Fahrrädern bereit.
"Ich hoffe, sie kommen mit dem alten Damenrad von Tantchen klar?".
"Ich dachte wir wollten auf die Berge wandern?" fragte Rolf verstützt, "Oder soll das eine nostalgische Mountainbike-Tour werden?".
"Ich glaube, dafür wären sie wohl zu ungeeignet." lächelte sie zurück."Aber um zum Plumpsjoch zu kommen, müssen wir erst noch einige Kilometer fahren. Das geht schneller.".
"Plumpsjoch?" Rolf zog die Augenbrauen nach oben, dass man ihm die Frage ansah. "Ist wohl ein großes Klo?".
"Auch, aber nicht ganz. Wirst schon sehen". Dabei merkte sie gar nicht, wie sie ihn plötzlich duzte. Etwas unsicher setzte sich Rolf auf das Fahrrad - wann hatte er wohl das letzte Mal in die Pedalen getreten? Die ersten hundert Meter waren doch sehr ungewohlich und schlenkrig in seiner Fortbewegung. Bei der Ortsdurchfahrt hielten beide noch an einem kleinen Geschäft an, um sich mit ein wenig Proviant für unterwegs einzudecken. Auch wenn es nur eine Flasche Mineralwasser und eine bereits in Folie verpackte Semmel mit Schinken war, so war man doch zumindest für den kleinen Hunger vorbereitet. Schließlich wußten beide nicht, wie die Gastronomien der beiden Hütten auf ihre Ankunft reagierten. Oft findet man zu dieser Zeit keinen Platz und nimmt lange Wartezeiten in Kauf.

Nach zirka acht Kilometern leichter Bergauffahrt auf einer Asphaltstraße - unterbrochen von eingelassenen Viehschutzgittern - erreichen sie eine Voralm, wo sie ihre Räder abstellen. Die Plä tze des Biergartens waren gut mit Touristen belegt, so daß sich der Einkauf doch als sinnvoll herausstellte. Der Ausstieg erweist sich als sehr leicht. Man kann teilweise den serpentinartigen Pfad verfolgen und hat an vielen stellen einen schönen Rundumblick.
"Schau, Gemsen!" Dabei umfasst Rolf ihre Hüfte und dreht sie ein weinig nach links. Gegenüber, getrennt durch eine Schlucht, äsen etwa fünf bis sechs dieser Tiere.
"Wunderschön" sagte Rolf und drückte Sophie an sich, die es unbemerkt gestattet.
Fast oben angekommen führt der Weg flacher hinein in eine Almniederung. Ein Schild mit der Aufschrift "Mondscheinspitz" teilt ihn dann. "Ihr könnt hier Namen haben, Plumpsjoch, Mondscheinspitz...". Sophie lachte über die Frage von Rolf, dass ihre Augen in der Sonne leicht blinzelten.

Sie gehen noch hundert Meter den Weg zu einer Hütte, die bewirtschaftet wird.
"Das ist die Plumpshütte." sagte Sophie "Und da" dabei zeigt sie auf eine Tür mit ausgeschnittenem Herzchen sowie einem angeschraubten Holzschild "ist das Plumpsklo". Beide amüsieren sich sichtlich. Nach einer deftigen Brettljause und frischer Almmilch treten sie den dann Rückweg an. Es sind sehr vielel Leute unterwegs, so dass auf dem schmalen Pfad schon manchmal Probleme mit dem Gegenverkehr eintreten.

Sie biegen mit den Rädern wieder auf den kleinen Hof der Tante ein, als diese gerade damit beschäftigt ist einige der verwelkten Blumen in der kleinen Rabatte am Haus herauszuschneiden. Sie dreht sich leicht gebückt zu den Ankömmlingen. "Freddy hat angerufen. Es ist in München etwas dazwischen gekommen und er kann dich erst am Dienstag Vormittag abholen."
"Auch so etwas noch. Dabei wollte ich mit dem eigenem Auto kommen. Aber er hatte darauf bestanden mich zu fahren. Wie soll ich morgen wieder auf Arbeit kommen?" Sophie läuft ins Haus und führt zwei Telefonate. Während Rolf die Treppe zu seinem Zimmer nahm hört er noch "... Danke Herr Kreuziger, dass sie Verständnis zeigen.".
"Alles ok?" wollte er wissen.
"Ja.Mein Chef streicht mir für die beiden Tage einfach ein paar überstunden. Langsam macht mich Freddy wahnsinnig. Ständig verpatzt er etwas und denkt dabei nicht daran, dass die anderen auch noch Verpflichtungen haben".
"Ist ja noch mal gut gegangen, dann bleibe ich auch noch länger und du zeigst mir die anderen schönen Stellen hier."
"Abgemacht. Und du kommst dafür heute Abend mit in die Post. Ich habe mich dort mit Susi verabredet."
Susi ist eine Schulfreundin von Sophie und wohnt jetzt mit ihrem Ehemann in einem kleinen Ort in der Nähe. Immer wenn Sophia aus München zu Besuch kommt muss unbedingt ein Treffen ausgemacht werden, um sich über die Neuigkeiten der großen und der "kleinen Welt", wie sie es gern nennen, wenn von Tratsch und Klatsch die Rede ist, auszutauschen.

Als Rolf seiner Wirts-Nichte in das gemütliche, ländlich-rustikal eingerichtete Lokal folgt, sind die beiden anderen bereits da und mit zwei Glas Rotwein versorgt. Während Rolf Sophie höflich den Stuhl beim setzen richtet kommt bereits die Bedienung mit der Karte.
"Bitte ein Weißbier" sagt sie.
"Und ich hätte gern ein normales Pils" ergänzt Rolf.
"Du bist ja schon ganz und gar bayrisch" kichert Susi dazwischen.
"Das hier ist Harry
stellt Susi ihren Begleiter vor.
"Hallo, ich bin Rolf und bin auf der Urlaubsreise hier einige Tage im Ort"
Das Gespräch der beiden Frauen ist nun nicht mehr zu bremsen. Nicht einmal das bestellte Essen hält sie beim Gedankenaustausch ab. Rolf macht sich deshalb aber keine Gedanken darüber, denn schließlich ist er nur als Begleiter dabei und hat bei diesem Treffen eigentlich nichts verloren. Und so knüpfen die Männer auf ihre Art Kontakt über den Bereich Sport und Technik.
Die Zeit vergeht wie im Fluge und Rolf konnte es nicht lassen, Sophie, die ihm gegenüber sitzt, öfters in die Augen zu sehen. Sophie tat dabei so, als würde sie es nicht bemerken.
Kann es sein, dass dir diese Kleine gefällt, durchzuckte es Rolf immer wieder. Ach was, erstens hat sie einen Freund und zweitens ist sie nur höflich, weil ich bei ihrer Tante übernachte. Macht sie wahrscheinlich mit andern Gästen auch so, so schnell wie sie zusagte, mit mir wandern zu gehen. Und doch studiert er immer wieder ihre Gesten an diesem Abend.
"Bitte die Rechnung!" Harry hebt den Arm, um den Kellner zu rufen. "Sorry, aber ich muss halb fünf raus."
Und so entschließt man sich, den Abend gemeinsam zu beenden.
"Ich ruf dich an!" sagt Susi zu Sophie, während sie beim Gehen sich nochmals umdreht und zurück winkt.

Nun steht Rolf mit ihr allein vorm Gasthof, während es schon sehr dunkel geworden ist.
"Und nun,? Noch Lust auf einen kleinen Abendspaziergang?" fragt Rolf. "Die Nacht ist viel zu schön, um schon nach hause zu gehen."
Es sind auch um diese Zeit noch Urlaubsgäste unterwegs, die das Gleiche dachten.
"Was war das für ein Bild auf dem T-Shirt, welches du gestern an hattest?" fragt ihn Sophie plötzlich.
"Wo du überall hin siehst!"
"Es war mir sofort aufgefallen, schon auf der Bank am Tegernsee. Ist es deine Freundin?" Rolf wusste jetzt nicht, wie er die Frage am besten beantworten sollte, war sie doch sehr direkt gestellt.
"Wenn du nicht antworten willst, brauchst du nicht."
"Nein, ist schon ok. Es war meine Freundin. Wir habe uns vor einem halben Jahr getrennt und das Bild ist die letzte Erinnerung an sie."
"Dann liebst du sie wohl noch?"
"Ist ein komisches Gefühl, weil wir über 3 Jahre bereits zusammen waren. Aber das sie dann an unserem Verlobungstag, ... ach ist vorbei. Habe das Shirt nur auf die Fahrt angezogen."
Sophie fragt nicht weiter und sie gehen still den Uferweg entlang. Dabei sucht ihre Hand langsam nach seiner. Auch er verspürt jetzt den Drang, ihre Hand zu fassen.
"Und du und Freddy?"
"Wir sind wohl zu verschieden."
Langsam gehen sie den kleinen Feldweg zum Haus hoch. Durch den Bewegungsmelder schaltet sich das Licht automatisch an. Doch diesesmal ist der Hund still. Er weiß wohl, dass es keine Fremden sind. Spohie schließt die kleine Haustür auf und drückt sie langsam nach innen, damit sie nicht zu laut knarrte.
"Ich glaube, die müsste mal geölt werden" flüsterte Rolf leise. Sophie hielt ihren Zeigefinger vor die Lippen.
"Psst, sonst weckt Tantchen auf."
Leiste steigen sie die Holztreppe nach oben, wo sich ihre Zimmer befinden.
"Vielen Dank für den schönen Tag und den netten Abend" sagt Rolf. Dabei schaute er ihr wieder tief in die Augen. Doch jetzt schaut auch Sophie in seine.
"Ja, es war ein sehr schöner Abend", entgegnet sie. Wie, als hätten beide den gleichen Befehl bekommen, nähern sich ihre Lippen. Sanft lehnt sich Sophie nach hinten an die Tür, die sich dabei öffnet.

Und im Flur erlischt das Licht durch das Zeitrelais.


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